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Das grosse Goldrätsel

Woher wissen wir eigentlich, wie viel Gold weltweit gefördert worden ist? Immer wieder stösst man auf die Behauptung, alles jemals geförderte Gold würde in einen Würfel mit einer Kantenlänge von ca. 20 Meter passen. Aber lässt sich das auch belegen?


Die Goldgewinnung hat sich im Laufe der Geschichte massiv verändert. Goldwäsche war über Jahrtausende die wichtigste Form, mit der man mühsam die begehrten Nuggets ansammelte. Während die Goldschmelze und -verarbeitung bereits unter den Pharaonen weit verbreitet war, begann die bergmännische Goldgewinnung in grossem Stil erst unter den Römern. Dadurch stieg die Fördermenge signifikant. Der nächste Produktionsschub kam allerdings erst mit der Industrialisierung durch die Einführung von Sprengstoffen und Wasserpumpen in den Bergbau.

Ab 1493, also nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus, verfügen wir über Produktionsstatistiken des gelben Edelmetalls. Sie gehen auf den deutschen Statistiker Adolf Soetbeer zurück, der mit einfachsten Mitteln versucht hat, zu ermitteln, wieviel Gold weltweit in den Jahren 1493 bis 1800 gewonnen wurde. Wir können heute nicht ohne weiteres beurteilen, wie gut Soetbeers Quellen waren, welche Fehler sich in seine Arbeit eingeschlichen haben und auch ob die Kritik einiger Zeitgenossen an der Statistik berechtigt war. Fakt ist: Unser Wissen über die weltweite Goldproduktion dieser Epoche basiert auf Soetbeers Arbeit aus dem Jahr 1879. Ab dem Jahr 1800 versuchte die US Mint die weltweite Goldproduktion zu erfassen. Wie zuverlässig deren Daten in den ersten Jahrzehnten waren, lässt sich heute ebenfalls kaum beurteilen. Allerdings war der Wilde Westen nicht unbedingt für seine ausgeklügelten Statistiken bekannt. Fast man die Ergebnisse der Soetbeer-Statistik und die der US Mint zusammen, so kommt man zum Ergebnis, dass von 1493 bis zum Vorabend des 1. Weltkriegs im Jahr 1914 weltweit etwa 23'600 Tonnen Gold gefördert worden sein sollen. Danach sprang die Goldförderung massiv an und gemäss US Mint wurde zwischen 1915 und 1945 etwa soviel Gold produziert, wie zwischen 1493 und 1914. Doch auch bei den Zahlen 1915 bis 1945 könnte etwas Vorsicht angebracht sein, denn wir wissen nicht, inwiefern die Kriegspropaganda hier zu Verzerrungen geführt hat. Kurzum, sämtliche Daten über die Goldförderung zwischen 1493 und 1945 sollten grundsätzlich mit Vorsicht genossen werden. Und wie sieht es mit der Goldförderung bis 1493 aus? Wie erwähnt wurde Gold ja bereits seit über 5000 Jahren gefördert. Für das Mittelalter und die Antike weichen die Schätzungen massiv voneinander ab. Als Minimalwert findet man eine Gesamtproduktion von 297 Tonnen, was wohl zu niedrig sein dürfte angesichts des Zeitraums und der heute noch erhaltenen historischen Goldkunstwerke. Als oberen Schätzwert werden 12’780 Tonnen Gold genannt – was wiederum sehr optimistisch für die mittelalterliche und antike Förderung zu sein scheint. Und wie steht es mit den Daten ab 1945? Auch zwischen 1945 und 1990 gab es genügend Gründe, warum die vorhandenen Statistiken ungenau sein dürften. Die Sowjetunion liess sich nicht gern in die Karten sehen und Südafrika unter dem Apartheid-Regime hielt genaue Zahlen seiner Minenproduktion auch lieber geheim. Und seit 1990? Auch hier sind Zweifel angebracht, was die Produktionsstatistiken anbelangt, denn die Fördermengen, welche die Volksrepublik China veröffentlicht, dürften nicht die ganze Wahrheit zeigen. Die Aussage, alles je geförderte Gold würde in einen Würfel mit der Kantenlänge von rund 20 Metern passen, kann also angesichts der unsicheren Produktionsstatistiken höchstens einen Anhaltspunkt geben. Werfen wir nun noch einen Blick auf die US Goldreserven. Nach offiziellen Angaben erreichten diese ihren höchsten Bestand im Jahr 1940 mit sagenhaften 19’543 Tonnen. Das hätte zum damaligen Zeitpunkt 36% allen jemals geförderten Goldes entsprochen – wenn man die oben erwähnten Statistiken zu Grunde legt. Berücksichtigt man nur die Goldförderung nach 1800, also dem Zeitpunkt, ab dem die ersten Goldschürfer im Wilden Westen unterwegs waren, so hätte der offizielle US Goldbestand im Jahr 1940 sogar 51% des gesamten seither geförderten Goldes ausgemacht. Das ist äusserst schwer zu glauben und wenig plausibel. Dieser sagenhafte Goldschatz der USA von 1940 bildete gemäss offiziellen Angaben die Grundlage für die aktuellen Angaben zur US Goldreserve, die sich auf rund 8’130 Tonnen belaufen soll. Die Goldkommission unter Ronald Reagan kam zum ernüchternden Ergebnis, dass die USA eigentlich gar kein Gold mehr besitzen würden. Eine unabhängige Prüfung, wie hoch der Bestand der U.S. Goldreserven tatsächlich ist, fand zuletzt 1974 statt - und diese Prüfung entsprach schon damals nicht den üblichen Standards.


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