© 2023 by Investnews. Proudly created with Wix.com

Disclaimer: Sämtliche in dieser Publikation enthaltenen Informationen, Meinungen und Ansichten basieren auf Quellen, die allgemein als zuverlässig erachtet werden. Für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Garantie übernommen. Die Informationen werden nur zu Informationszwecken bereitgestellt und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Anlageentscheide sollten nicht darauf beruhen. Für sämtliche Entscheide, die auf diesen Informationen beruhen, wird jegliche Haftung abgelehnt.

Alle verwendeten Bilder wurden auf freie Nutzung überprüft. 

Für die Inhalte der Website gilt Artikel 19 - Meinungs- und Informationsfreiheit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäusserung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Suche
  • Investnews

Polens Reparationsforderungen an Deutschland

Aktuell fordert die Regierung Polens wieder deutsche Reparationen in Höhe von EUR 800 Mrd. und einen Friedensvertrag, der einen Schlussstrich unter eines der traurigsten Kapitel des 20. Jahrhunderts ziehen soll. Wie nicht anders zu erwarten, schweigt die EU dazu und auch in Berlin gibt man sich wortkarg. Blicken wir daher 100 Jahre zurück, um die Zusammenhänge besser zu verstehen. Bei den Verhandlungen von Versailles bildete die 1918 in Wien erschienene Landkarte «Nationalitätenkarte der östlichen Provinzen des Deutschen Reiches nach den Ergebnissen der amtlichen Volkszählung vom Jahre 1910 entworfen von Ing. Jakob Spett» Grundlage für deutsche Gebietsabtretungen im Osten des Kaiserreiches. Ob Spett, ein österreichischer Eisenbahnbediensteter und späteren Ministerialrat polnischer Abstammung, tatsächlich Urheber der Karte war, gilt als umstritten. Aus deutscher Sicht problematisch an der Karte war aber, dass die Karte die tatsächlichen Bevölkerungsverhältnisse im Osten des Deutschen Reiches angeblich verzerrt darstellte und teilweise auch die Territorien, in denen Polen eine Minderheit bildeten, als überwiegend polnisch auswies - was wiederum im Einklang mit den gegenüber der US-Regierung vorgetragenen Wünschen Polens stand. Die Landkarte mit dem amtlichen Anstrich, die von den deutschen Zensurbehörden genehmigt worden war, bildete aus Sicht der Alliierten eine profunde Verhandlungsgrundlage. Wie sich im bewaffneten Konflikt um die sogenannte Ostmark in den folgenden Jahren zeigen sollte, barg sie ein enormes Konfliktpotenzial. Die Gebietsabtrennungen erfolgten auch dann, wenn die Bevölkerungsmehrheit deutschsprachig war und in Abstimmungen für einen Verbleib im Deutschen Reich votiert wurde. Beispiele dafür waren das westliche Oberschlesien, in Ostpreussen die Bezirke Marienwerder und Allenstein. Die flächenmässig grössten Gebiete des alten Kaiserreiches fielen somit an Polen. Rund 1,4 Millionen Deutsche gerieten in der Folge unter polnische Herrschaft. Das von Wilson proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker spielte hierbei keine Rolle. Der für Minderheiten zuständige Hochkommissar des Völkerbundes Erik Colban und sein für Danzig zuständiger Untergebener, der Freimaurer Huntington Gilchrist, tricksten den Freimaurer Stresemann aus und sorgten dafür, dass die deutsche Minderheitenfrage erstmals 1930 vom Völkerbund behandelt wurde. Ein Grossteil der 1,4 Millionen Deutschen in Polen verliess bis Mitte 1939 ihre Heimat unter dem zunehmenden Druck durch polnische Behörden.

Eine besondere Rolle nahm die alte Hansestadt Danzig ein, deren Bevölkerung zu 98% aus Deutschen bestand. Der polnische Vertreter bei den Verhandlungen von Versailles, Roman Dmowski forderte mit der Unterstützung Frankreichs, von Wilson die Eingliederung Danzigs in Polen. Er berief sich unter anderem darauf, dass die deutschen Statistiken zur Bevölkerungsverteilung falsch seien. Als Kompromiss wurde Danzig ohne vorherige Volksabstimmung und trotz massiver Proteste der Bevölkerung aus dem Reichsgebiet gelöst und als Freie Stadt unter Verwaltung des Völkerbundes gestellt. Als Begründung für diesen Schritt berief man sich auf den Frieden von Tilsit 1807. Ausserdem sollte dem neuen Polen ein gut ausgebauter Hafen als Zugang zur Ostsee gegeben werden. Am 15. November 1920 wurde die Freie Stadt Danzig konstituiert und der britische Offizier Edward Strutt wurde zum Hohen Kommissar des Völkerbundes in der Freien Stadt Danzig ernannt. Trotz Protesten der Freien Stadt Danzig erlaubte es der Völkerbund Polen, im Jahr 1921 und 1925 die Westerplatte zu befestigen. 1933 mussten nach Beschwerden Danzigs auf Intervention des Völkerbundes Teile einer durch Polen widerrechtlich angelegten Befestigung wieder geschliffen werden. Die Befestigungen wurden in den Folgejahren bis 1936 im Geheimen erweitert. Am 24. Oktober 1938 forderte schliesslich Außenminister Ribbentrop offiziell die Rückgabe Danzigs an das Deutsche Reich. Mit dem Abschluss des Ausbaus des polnischen Hafens Gdingen war der ursprüngliche Grund für die Loslösung Danzigs vom Deutschen Reich, nämlich Polen Zugang zu einem Seehafen zu bieten, eigentlich weggefallen. Ribbentrop forderte zudem die Erlaubnis zum Bau einer exterritorialen Autobahn, die Ostpreußen und das Reichsgebiet verbinden sollte. Im Gegenzug würden Polens wirtschaftliche Interessen in Danzig berücksichtigt und die Staatsgrenzen gegenseitig garantiert werden. Polen lehnte das jedoch ab. Eine Rückgabe Danzigs war für Polen ebenso unannehmbar wie die Gefahr, in grössere Abhängigkeit zu Deutschland zu geraten. Deutschland wiederholt sein Angebot am 19. November 1938, am 5. und 6. Januar 1939 und am 21. März 1939. Polen reagiert mit einer Teilmobilmachung im Korridor am 23. März 1939 und lehnt das Angebot Ribbentrops am 26. März 1939 endgültig ab. Am 15. April 1939 kündigt Hitler den Deutsch-Polnischen Nichtangriffspakt. Im Juli 1939 begann der verdeckte und illegale Transport von Waffen und Munition aus dem Deutschen Reich nach Danzig. Ausserdem wurde völkerrechtswidrig mit dem Bau von Befestigungen durch Deutsche begonnen. Der Kommissar des Völkerbundes für die Freie Stadt Danzig, der Schweizer Carl Jacob Burckhardt, erklärte Ende Juli 1939 gegenüber Reuters, er sehe keine Gefahr für die Stadt. Anfang August 1939 beschloss der Senat der Freien Stadt Danzig, man werde die Autorität des polnischen Zolls in Danzig nicht länger akzeptieren. Das war ein klarer Verstoss gegen den Vertrag von Versailles und Polen drohte daraufhin mit der Bombardierung Danzigs, falls diese Regelung umgesetzt würde. Polnische Pioniere begannen damit, Sprengladungen an der wichtigen Weichselbrücke bei Dirschau zu befestigen. Die Brücke war eine der wichtigsten Transportachsen durch den Korridor und von strategischer Bedeutung. Am 8. August 1939 besuchte der Danziger Gauleiter der NSDAP, Albert Forster, Adolf Hitler auf dem Obersalzberg. In England und Frankreich begannen grosse Luftwaffenmanöver. Polen schloss am 17. August 1939 den kleinen Grenzverkehr zwischen Polen und Deutschland. Einen Tag später trat in Danzig erstmals öffentlich die SS-Heimwehr an. Am 23. August 1939, dem Tag der Unterzeichnung des Molotow-Ribbentrop-Paktes, setzte der Senat der Freien Stadt Danzig Albert Forster unter Bruch der Verfassung als "Staatsoberhaupt" ein. Ein derartiges Amt war in der Danziger Verfassung nicht vorgesehen. Forster verkündete den beabsichtigten und völkerrechtswidrigen Anschluss Danzigs an das Reich, den sich allerdings die Mehrheit der Bevölkerung wünschte. Dennoch war das ein klarer Bruch der Vereinbarungen des Völkerbundes, der allerdings dazu schwieg. Chamberlain warnte daraufhin Hitler vor einem Krieg und erinnerte ihn an die Bündnispflicht Grossbritanniens gegenüber Polen. Grossbritannien begann sogleich mit der Mobilmachung. Am 25. August 1939 lief das deutsche Linienschiff «Schleswig-Holstein» im Danziger Hafenkanal ein. Am gleichen Tag bestätigte Grossbritannien seine Garantien für Polen im Kriegsfall. Polen begann daraufhin mit der Verhaftung und Verschleppung von bis zu 15’000 Deutschen, die auf polnischem Gebiet lebten. Etwa 2000 von ihnen wurden in das für seinen unmenschlichen Umgang mit den Gefangenen gefürchtete Lager Berezakartuska verschleppt. Das Lager war schliesslich mit geschätzten 7-8000 Gefangenen verschiedener Nationalitäten völlig überbelegt. Andere Deutsche wurden nach Brest Litowsk verbracht oder in das eigens für sie errichtete Lager Chodzen. Hitler forderte als Reaktion vom britischen Botschafter in Berlin, Henderson, freie Hand gegenüber Polen. Am 26. August wechselte die «Schleswig-Holstein» ihre Position, um ein besseres Schussfeld auf die Westerplatte zu erhalten. Frankreichs Ministerpräsident Daladier wies Hitler am gleichen Tag in einem Schreiben auf Frankreichs Verpflichtungen gegenüber Polen hin. Hitler verschob daraufhin den Angriffstermin auf Polen auf den 1. September. Am 27. August 1939 wurden polnische Güter im Hafen von Danzig beschlagnahmt. In der Stadt wurden Nahrungsmittel rationiert. Am 28. August 1939 bot der britische Botschafter Henderson Hitler an, dass Grossbritannien bereit sei, direkte Deutsch-Polnische Verhandlungen zu vermitteln. Am 29. August willigte Hitler in Hendersons Vorschlag ein und verlangte, dass sich ein bevollmächtigter polnischer Vertreter bis zum 30. August in Berlin einfinden solle. Henderson fand diese knappe Terminsetzung als zu ultimativ. Da nach Ablauf der kurzen Frist kein polnischer Vertreter in Berlin erschienen war, bezeichnete Ribbentrop die Vorschläge Hendersons als erledigt. Polen befahl die Generalmobilmachung noch am 30. August. Letzte diplomatische Versuche, die Krise doch noch friedlich beizulegen, scheiterten. Der schwedische Vermittler Dahlerius nahm noch Kontakt mit dem polnischen Botschafter in Berlin, Lipski, auf. Lipski war aber nicht an Verhandlungen interessiert und auch Mussolinis Vorschlag einer internationalen Konferenz zur Krise blieb ungehört. So nahm das Unheil seinen Lauf. Die «Schleswig-Holstein» erhielt am 31. August den verschlüsselten Funkspruch, am nächsten Tag um 4:45 Uhr die Befestigungen auf der Westerplatte zu beschiessen. Eine Breitseite der «Schleswig-Holstein» eröffnete zum besagten Zeitpunkt den Kampf um die Westerplatte. Es war eine der ersten Kriegshandlungen des Zweiten Weltkrieges. Durch ein Staatsgrundgesetz trat Danzig am 1. September 1939 dem Deutschen Reich bei. Der Völkerbund Kommissar Carl Jacob Burckhardt verliess die Stadt. England und Frankreich drohten mit einer Kriegserklärung an das Deutsche Reich, wenn die Kampfhandlungen nicht sofort eingestellt und alle deutschen Truppen zurückgezogen würden.

Am Ende des Kriegs wurde Danzig von den Alliierten erstaunlicherweise nicht als besetztes Land behandelt, sondern als Teil des Deutschen Reiches. 103'000 km2 es ehemaligen Deutschen Reichs fielen mit dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung. Das Gebiet der Freien Stadt Danzig wurde am 30. März 1945 in die polnische Woiwodschaft Gdańsk eingegliedert. 1947 formierte sich in Lübeck der noch heute existierende Rat der Danziger als Staatsvertretungsorgan im Exil der Freien Stadt Danzig. Mit dem Gesetz vom 11. Januar 1949 wurde Danzig polnisch. Als Grundlage dafür diente das Potsdamer Abkommen, nach dem die Teile Ostpreußens, die nicht unter die Verwaltung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken gestellt wurden einschließlich des Gebietes der früheren Freien Stadt Danzig, unter die Verwaltung des polnischen Staates kommen und in dieser Hinsicht nicht als Teil der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland betrachtet werden sollen. Dies sollte bis zum Abschluss einer friedensvertraglichen Regelung so bleiben. Die deutsche Bundesregierung ist der Ansicht, dass sich mit Abschluss des Zwei-plus-Vier-Vertrages nach Einschätzung der beteiligten Mächte die Frage einer weiteren friedensvertraglichen Regelung der Folgen des Zweiten Weltkrieges erledigt hat. Die heutige Regierung Polens sieht das jedoch anders und fordert einen Friedensvertrag mit Deutschland und Reparationen im Umfang von EUR 800 Mrd. Die Höhe der Reparationen schliesst nach polnischer Ansicht den Wert der ehemaligen deutschen Ostgebiete bereits mit ein. Im Völkerbundpalast, dem heutigen Sitz der UN in Genf, befindet sich das Museum des Völkerbundes. Dort findet sich in der Dauerausstellung kein Hinweis darauf, welche Rolle der Völkerbund in der Geschichte Danzigs spielte.

Die Schleswig-Holstein beschiesst die Westerplatte

3 Ansichten